Biologie des Wolfes
Was ist ein Wolfsrudel?
Ein Wolfsrudel ist eine Wolfsfamilie. Sie besteht in der Regel aus den Eltern, den Welpen und den Nachkommen aus dem Vorjahr (Jährlingen). Manchmal leben aber auch ältere Nachkommen oder Großeltern mit im Rudel. Unter bestimmten Bedingungen können auch zwei Fähen (z.B. Mutter und Tochter) Welpen bekommen und /oder zwei Rüden die Väter der Welpen sein.
Die Größe eines Rudels liegt meist zwischen 5 und 10 Tieren, sie ändert sich allerdings im Jahresverlauf und auch zwischen den Jahren. Mit der Geburt der Welpen im April/Mai wird die Familie größer, durch das Abwandern der Jährlinge und durch Todesfälle wird sie wieder kleiner. So kann dieselbe Wolfsfamilie z.B. mal 10-15 und zu einem anderen Zeitpunkt nur 3-4 Tiere umfassen.
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2026.
Was ist ein Territorium und wie groß ist es?
Als Territorium wird das Streifgebiet von erwachsenen Wölfen bezeichnet, das sie markieren und gegen fremde Wölfe verteidigen (es sei denn, sie kommen als Partner in Frage, mit dem sie eine Familie gründen wollen). Die Markierung erfolgt durch Duftmarken (Kot, Urin), Sichtmarken (Kot) und Heulen. Sowohl fremden, durchwandernden Wölfen als auch benachbarten Wolfsfamilien wird so signalisiert, dass das Revier besetzt ist.
Die Größe des Territoriums wird maßgeblich durch die Beutetierdichte (Menge der Beutetiere auf der Fläche) bestimmt. Es muss immer so groß sein, dass die Anzahl verfügbarer Beutetiere ausreicht, um das Rudel langfristig zu ernähren. Ist dies nicht der Fall, gelingt die Aufzucht der Welpen schlecht oder gar nicht. Je höher die Beutetierdichte ist, desto kleiner kann daher das Revier sein. In Mitteleuropa sind Reviergrößen von 100-350 km² Größe bekannt. In Gebieten mit sehr geringer Beutetierdichte wie z.B. in Nordsibirien und Nordkanada, aber z.T. auch in Skandinavien sind dagegen Territorien von über 1000 km² nachgewiesen.
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2026.
Wie entstehen neue Rudel?
In Wolfspopulationen werden ständig neue Rudel gegründet, indem junge Wölfe aus dem elterlichen Territorium abwandern und mit einem Partner eine eigene Familie gründen. Viele Wölfe wandern nur 50-100 km ab und nutzen quasi den nächsten freien Platz, um sich niederzulassen. Andere führen beeindruckende Weitwanderungen durch, wie z. B. von Sachsen nach Weißrussland oder Norddänemark, sowie aus Sachsen-Anhalt nach Österreich. Diese Wanderungen konnten durch genetische Untersuchungen und GPS-GSM-gestützte Telemetrie nachvollzogen werden. Einige Jungwölfe (besonders häufig konnte dies in Deutschland bisher für Töchter belegt werden) übernehmen aber auch ganz oder teilweise das Territorium der Eltern, wenn diese älter werden oder einer von beiden stirbt.
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2026.
Welche Krankheiten können Wölfe bekommen?
Wölfe können die gleichen Krankheiten und Parasiten bekommen wie Hunde. Auch hier gibt es für den Menschen gefährliche und ungefährliche Krankheiten.
Für den Menschen gefährliche Krankheiten sind die Tollwut und der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis).
Tollwut: Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei. Deswegen geht von dieser Krankheit im Moment keine Gefahr mehr aus. Wildtiere, wie der Wolf, der Fuchs aber auch Waschbär und Marderhund werden dennoch weiterhin überwacht, um eine Wiedereinschleppung der Tollwut frühzeitig zu erkennen und dem entgegen zu wirken.
Fuchsbandwurm: Der Fuchsbandwurm ist ein Endoparasit, bei dem der Fuchs als Endwirt auftreten kann. Durch infizierten Kot ist eine Übertragung des Fuchsbandwurms auf den Menschen möglich. Der Mensch fungiert hier als Fehlzwischenwirt und kann daraufhin an der alveolen Echinoccoccose erkranken. Diese Krankheit ist mitunter lebensgefährlich. Die Anzahl der Infektionen bei Menschen ist jedoch sehr gering, Verbreitungsschwerpunkte des Fuchsbandwurms in Deutschland sind die Schwäbische Alb, die Alb-Donau-Region und das Allgäu. In diesen Gebieten beträgt die Infektionsrate der Füchse 50 bis 100%. Nördlich dieser Regionen sind weniger als 5% der Füchse mit E. multilocularis infiziert.
Für den Menschen ungefährlich sind Räude, Staupe, Parvovirose und die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut).
Räude: Die Räude ist eine von Räudemilben ausgelöste Ektoparasitose. Die Ansteckung erfolgt in der Regel über direkten Körperkontakt. In Folge von entzündlichen Reaktionen und durch den starken Juckreiz, begleitet von sekundären bakteriellen Infektionen der Haut, kommt es zu Haarausfall und Verschorfung der Haut. Befallene Tiere haben einen schlechten Fellzustand, durch das ständige Kratzen entstehen kahle Stellen an verschiedenen Körperteilen, z.B. am Rücken und am Schwanz. Im fortgeschrittenen Stadium können betroffene Tiere eine verzögerte Fluchtreaktion zeigen, sie verhalten sich jedoch gegenüber Menschen nicht aggressiv. Räude ist stark ansteckend für andere Karnivoren. Räudeausbrüche können in Wolfspopulationen zu einer deutlich erhöhten Mortalitätsrate, insbesondere unter den Welpen führen. Tiere mit starkem Immunsystem können die Krankheit aber völlig ausheilen, selbst wenn sie massiv befallen sind. Die Räude tritt sehr häufig bei Füchsen und Marderhunden auf und wird von diesen auch übertragen. Eine Ansteckung von Haustieren ist zwar möglich, lässt sich jedoch gut behandeln. In seltenen Fällen kann sich der Mensch mit diesen Räudemilben infizieren und bildet eine so genannte Trugräude aus, die im Allgemeinen auch ohne Therapie abheilt.
Staupe: Das Canine Staupevirus ist vor allem an Hunden bekannt und bei Wölfen eher selten. Eine Ansteckung erfolgt vor allem über direkten Körperkontakt, Sekrete und Exkremente. Kennzeichnend für die Erkrankung sind hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Je nach befallenem Organsystem können Durchfall und Erbrechen oder Atemwegssymptome auftreten. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Schädigung des Gehirns mit zentralnervösen Ausfallerscheinungen kommen. Da die meisten Hunde in Deutschland gegen die Staupe geimpft sind, ist eine Übertragung von Hunden auf Wölfe unwahrscheinlich. Jedoch sind Staupe-Epidemien, wie sie immer wieder bei Füchsen auftreten, für befallene Tiere, besonders Jungtiere, gefährlich. Sie können nach Beobachtungen im Yellowstone Nationalpark eine Welpensterblichkeit von bis zu 68% auslösen. Menschen sind für Staupe nicht empfänglich.
Parvovirose: Das Canine Parvovirus (CPV) wird über Exkremente infizierter Tiere verbreitet und kann von diesen aus auch durch Insekten übertragen werden. Im Krankheitsverlauf löst es, abhängig von Alter und Kondition des infizierten Tieres, starken Brechdurchfall bis hin zur tödlichen Dehydrierung aus. Eine durch Hunde eingeschleppte CPV-Infektion führte Anfang der 1990er Jahre zum Zusammenbruch der Wolfspopulation auf der Isle Royale (U.S.A.). Jedoch sind die meisten Hunde in Deutschland gegen Parvovirose geimpft. Wie auch bei der Staupe ist eine Übertragung der Parvovirose von Hunden auf Wölfe somit unwahrscheinlich. Das Virus ist nicht auf Menschen übertragbar.
Pseudowut: Die Pseudowut oder auch Aujeszkysche Krankheit (AK) ist eine Virusinfektion, der Erreger gehört zur Herpesfamilie. Bei nahezu allen Säugetieren verläuft die Infektion tödlich. Menschen, andere Primaten und Pferde sind für die Pseudowut nicht empfänglich. Die Ansteckung erfolgt über den direkten oder indirekten Kontakt zu (Wild-)Schweinen, welche nach der Infektion ihr ganzes Leben lang infiziert bleiben. Von anderen infizierten Karnivoren, wie Wölfen, geht keine Ansteckung aus, da diese Tiere den Erreger nicht ausscheiden, somit ist eine Ansteckung von Wolf zu Wolf oder von Wolf zu Hund nicht möglich.
Nach einer Infektion kommt es schnell zu einer Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit zentralnervösen Ausfallerscheinungen (bei Rindern und Hunden wurde zusätzlich starker Juckreiz beschrieben) und danach zum Tod des Tieres. Die Krankheit zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Deutschland ist seit 2003 anerkannt AK-frei bei Hausschweinen, jedoch tritt die AK wieder vermehrt beim Wildschwein auf. Dies wird auch in anderen europäischen Ländern beobachtet. Der Tod tritt bei Hunden und Wölfen nach Auftreten der Symptome sehr schnell ein (1 – 2 Tage).
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2026.
Welche Rolle spielen Raubtiere wie der Wolf bei der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest?
Es gibt keine Hinweise darauf, dass Raubtiere und Aasfresser bei der Verbreitung der ASP eine besondere Rolle spielen. Eine mechanische Vektorfunktion (Verschleppung virushaltiger Kadaverteile, Kontamination des Fells/Gefieders) für Raubtiere und Aasfresser (Säuger, Vögel etc.) kann zwar nicht ausgeschlossen werden, eine Vermehrung des Virus findet in bzw. auf diesen Tieren aber nicht statt. Der Wolf ist hier keine Ausnahme. Auch wenn er weiter wandert als andere Raubtiere, wird davon ausgegangen, dass er keine Nahrungsvorräte mitnimmt und das kontaminierte Fell putzt. Eine Darmpassage überlebt das Virus nicht.
Das Friedrich-Löffler-Istitut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hat das Informationspapier zu weiteren wichtigen Fragen rund um die Schweinepest verfasst:
Ein Team von polnischen Forschern hat gezielt Kotproben von Wölfen in ASP-Zonen auf das Virus untersucht (Artikel). In keiner der 62 Kotproben gelang ein ASP-Nachweis, während acht der neun Wildschweine, an denen nachweislich Wölfe gefressen hatten, ASP-positiv waren. Die Ergebnisse bestätigen, dass das ASP-Virus eine Passage des Wolfsdarms nicht überlebt. Wölfe leisten daher keinen Beitrag zur Fernausbreitung von ASP durch ihren Kot.
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2026.