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Woher kommen die Wölfe in Deutschland?

Die Quellpopulation für die Wölfe in Deutschland und Westpolen ist der westlichste Ausläufer der baltischen Population, die sich bis nach Nordostpolen erstreckt. In Mittel- und Westpolen wurde der Wolf ebenso ausgerottet wie in Deutschland. Erst in den letzten 50 Jahren wanderten immer wieder einzelne Tiere bis nach Westpolen, einige sogar bis nach Deutschland. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kamen mehr als 40 Wölfe aus Polen nach Deutschland. Mehr als 30 von ihnen wurden geschossen, über zehn wurden Verkehrsopfer auf Schiene oder Straße.

Obwohl der Wolf bereits 1990 im vereinigten Deutschland unter Schutz gestellt worden war, gab es auch in den 1990er Jahren noch mehrere Abschüsse. Erst 1998 gelang es einem Wolfspaar auf einem Truppenübungsplatz im Nordosten Sachsens ein Territorium zu etablieren. Zwei Jahre später kam es zur ersten bestätigten Welpenaufzucht.

Es dauerte weitere fünf Jahre, bis sich ein zweites Rudel etablieren konnte. Grund für diesen langsamen Start war die Tatsache, dass es auch in Westpolen kaum Wölfe gab und die Nachkommen des ersten deutschen Rudels daher keine Paarungspartner fanden. Dies änderte sich mit der Etablierung des zweiten Rudels. Nun konnten sich aus den Nachkommen dieser beiden Rudel weitere Wolfspaare finden und neue Rudel gründen.

Deutschland und West-/Mittelpolen gehören der mitteleuropäischen Flachlandpopulation an (früher deutsch-westpolnische Population). Das Verbreitungsgebiet dieser Wolfspopulation erstreckt sich von der Weichsel in der Mitte Polens bis nach Niedersachsen, dem westlichsten Gebiet mit territorialen Wölfen in Deutschland.

Die Gründertiere trugen den in Nordost-Europa häufig vorkommenden, maternal vererbten mitochondrialen Haplotyp mit der Bezeichnung HW01. Nach wie vor ist HW01 der vorherrschende Wolf-Haplotyp in Deutschland. Deutlich seltener ist dagegen der HW02-Haplotyp, den bis vor einigen Jahren nur einige Rüden trugen, die aus Polen eingewandert waren. Erst im Monitoringjahr 2012/13 konnte im Gartower Rudel in Niedersachsen die erste Fähe dieses Haplotyps bestätigt werden. Später etablierten Töchter der Gartower Fähe das Schneverdinger und das Barnstorfer Rudel (beide Niedersachsen); sie vererben den Haplotyp dort weiter.

In den letzten Jahren wurden auch immer wieder einzelne aus der Alpenpopulation stammende Tiere in Deutschland genetisch bestätigt. Diese Tiere sind anhand des Haplotyps HW22, der für die italienische und die Alpenpopulation kennzeichnend ist, eindeutig von den Wölfen der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zu unterscheiden. Sie konnten sich allerdings lange nicht fortpflanzen. Dies änderte sich erst im Sommer 2017, als im Bayerischen Wald ein Wolfspaar, das aus zwei verschiedenen Populationen stammt, zum ersten Mal Welpen aufzog. Der Rüde stammt aus der Alpenpopulation und die Fähe aus der mitteleuropäischen Flachlandpopulation.